Trainingslager der Leichtathletik vom 30. Mai bis 2. Juni 1985 in Erbach/Odenwald

Unsere Benzinkutschen ließen wir diesmal zuhause und schwangen uns stattdessen auf unsere Stahlrösser. Verladetechnisch hatten wir die Sache fest im Griff. Die Bundesbahn übernahm einen Teil der Anreise nach Erbach im Odenwald. 19 Mann, Frau und Igel hoch bezogen wir unsere fürstliche Suite (Jugendherberge Erbach). Schon am ersten Abend schwärmten wir aus auf den Michelstädter Bienenmarkt. Dort feierten wir eine Pizza- und Mohrenkopforgie. MAX war über jeden Mohrenkopfwurfverdacht erhaben. Unschuldsgesicht verbunden mit schamhaftem Niederschlagen der Augenlider lenkten den Verdacht des Nachbartisches ab.

In der ersten Nacht klingelten die Igelwecker ohne Unterbrechung, aber der Schlaf der Pilsmänner war stärker. Nach opulentem 8-Uhr-Frühstück strampelten wir 11 Kilometer den Berg hinauf nach Beerfelden. Dort hatten die sintflutartigen Regenfälle der Vortage die Aschenbahn noch nicht weggeschwemmt (Tartan gilt im Odenwald als Fremdwort). Während Mama Wellt die Fressalien für ihre hungrige Brut heranschleppte, schindeten sich die Top-Athleten bei brütender Hitze über die Bahn. Sonne und blauer Himmel meinten es in jeder Beziehung gut mit uns. Endlich kam die Mittagszeit. Mit unseren Radeln gelangten wir vorbei am historischen Galgen auf Uli's Umwegen zu unserem Grillplatz im Wald. Nach hervorragendem Mahl hackten wir das Eis vom zugefrorenen Gebirgssee, kühlten Fanta, Pils und Tomaten und schließlich auch uns selbst. Suse war so leichtfertig, gegen den heroischen Mut des Vorstandes anzuwetten, er würde sich nicht in die kalte Flut stürzen. Aber da hatte sie sich gründlich getäuscht. Die Wette wurde in Eis umgesetzt. Als die Schatten im Wald länger wurden, fuhren wir von den schwindelnden Höhen von Beerfelden, zu denen wir uns am Morgen ächzend und stöhnend hinaufgestrampelt hatten, in rasender und halsbrecherischer Fahrt talabwärts. Die "reizenden" Herbergseltern, die uns mit Speis und Trank gar nahrhaft und reichlich verwöhnten, erwarteten uns sehnsüchtig.

Rechtzeitig zum abendlichen Eisspaziergang in das malerische Erbach stießen Gerd und Arnd hinzu. Gemeinsam schlossen wir den Abend im besten Eissalon Erbachs ab. Die Aktiven allerdings waren kneipentechnisch noch nicht am Ende und füllten ihre kinoleeren Mägen im "Golden Bären" mit grünen Nudeln. Spaghettis und Tortellinis.

Auf der unterhalb der Jugendherberge gelegenen Galopprennbahn mit Stadion hatte die Stadt auf unseren besonderen Wunsch die Grashalme gekürzt, so daß wir auf der 901 m langen Rundstrecke herrlich galoppieren konnten. Groß und Klein drehten ihre Runden. Technische Übungen und Spiele kamen auch nicht zu kurz. Mit Grausen denke ich an die Läufe und Sprünge treppenauf- und abwärts. Aber schön war's doch. Der sonnengetrocknete Schweiß wurde bei der anschließenden gemeinsamen Dusche beseitigt und wiederum erwartete uns das DJH-Einheitsessen. Die Laune blieb gleichwohl gut. Mit den Jüngeren bevölkerten wir am Nachmittag das hochmoderne und schön angelegte Erbacher Schwimmbad. Spiele im und um das Wasser ließen den Nachmittag wie im Flug vergehen. Derweil plagten sich die Großen mit ihrer zweiten Trainingseinheit an diesem Tage. Dafür durften sie abends auch ins Kino, es gab die "Blues Brothers". Die Igel dagegen wollten unbedingt nochmal die gute Luft des Michelstädter Bienenmarktes (Volksfest) beschnüffeln. Wie gut, daß wir unsere Fahrräder dabei hatten.

Mitten in der Nacht erzählt MAX im Zimmer über dem Vorstand den klassischen Ameisenwitz. Biggi, unsere Jüngste, stellte dazu einschlägige Fachfragen. Lachsalve um Lachsalve brandete über den Hof der Jugendherberge und riß Vorstand und Nachbarschaft aus dem Schlaf. Aber sagt selbst, gibt es eine angenehmere Art, geweckt zu werden'

Auch am letzten Tag. dem Sonntag, sah uns die gute Galopprennbahn wieder. Unser Erbacher Opa zog wiederum unermüdlich mit dem Ball am Fuß seine Bahn und wir liefen Steigerungen, Tempoläufe etc. Uff, geschafft waren wir. Zum abschließenden Mittagsmahl boten die Herbergseltern nochmal alle Kochkünste auf und ließen jedem ein Lederhuhnschenkel auf den Teller flattern. Am Nachmittag ging's dann mit den Fahrrädern zurück zum Bahnhof und da wir auf der Hinfahrt so gut geübt hatten, reichten uns die 5 Minuten Umsteigezeit in Stuttgart lässig, um unsere 19 Drahtesel auszuladen. von Gleis 4 nach Gleis 7 zu transportieren und wieder einzuladen.

In Böblingen auf dem Bahnhof sagten wir uns Auf Wiedersehen, schade, daß es schon vorbei war. Aber tröstet Euch, nächstes Jahr gibt es ja wieder Trainingslager.