Bericht der Leichtathletikabteilung TSV Dagersheim in der Mitgliederversammlung des TSV am04. März 1988

Im sechsten Jahr unseres Bestehens haben wir genau 60 Mitglieder erreicht. Könnte ich so weiterrechnen, wären die ersten 100 Mitglieder bald voll. So einfach ist es jedoch nicht, wie alle anderen Abteilungen müssen wir uns um den Nachwuchs bemühen. Seit etwa einem Jahr haben unsere Bemühungen um neuen Nachwuchs Erfolg gezeigt. Rund 10 bis 12 Schüler und Schülerinnen der Jahrgänge 80 bis 76 bilden eine sehr nette Gruppe genannt "die Fraggle", die liebevoll von Anja Lüders und Arnd Menschig betreut werden.

Aus unseren ehemaligen Krabbeltieren, "den Igels" sind mittlerweile junge Damen und junge Männer geworden, die zu den Aktiven aufrückten und dort mittrainieren. Leider klafft zwischen diesen Jahrgängen (1971 und 1970) und den Fraggels eine Lücke von 5 Jahren, die nur durch Einzelkämpfer notdürftig geschlossen wird.

 
Die Stimmung in der Abteilung ist weiterhin gut. Unsere Finanzen konnten durch die Erhöhung der Abteilungsbeiträge auf 18,-- DM für Schüler und Jugendliche und 36,-- DM für Erwachsene auf eine bessere Basis gestellt werden. Trainingsbetrieb, Wettkampfgelder und Fahrtkosten verschlingen rund 95 % unseres Etats von jährlich 6.000,-- DM. Um nicht ständig am Existenzminimum herumzuknabbern, war es notwendig neue Wege zu beschreiten. 

 

  • 1987_flohmarkt
 
Wir ließen uns etwas einfallen und veranstalteten erstmals im November 1987 einen Flohmarkt im alten Feuerwehrhaus. Die Idee dazu kam von meiner Frau und stieß zunächst auf viel Skepsis. Wir sammelten alles was verkäuflich erschien bei Freunden, Bekannten und Nachbarn und bekamen soviel Material zusammen, daß wir etwa 20 Tische und mehrere Kleiderständer bestücken konnten. Kaum hatten wir die Pforten am Samstagmorgen um 9 h geöffnet, strömten die Leute herbei und kauften und kauften. Als wir die Pforten schlossen, waren wir um gute 2.000,-- DM reicher. Wir sammeln jetzt schon für den nächsten Flohmarkt im November dieses Jahres und sind für Sachspenden jeder Art dankbar. 

Sportlich ließ sich das Jahr ebenfalls gut an. Neben Kreismeistern im Waldlauf, Hürdenlauf errang unser Kai Seewald wiederum den Bezirksmeister bei den Zehnkämpfern. Hätte er sich nicht bei den diesjährigen BW-Hallenmeisterschaften in Sindelfingen eine Verletzung zugezogen, wäre er bei den Baden-Württembergischen Ausscheidungsmeisterschaften im Achtkampf in der Schleyer-Halle in Stuttgart dabei gewesen, zu denen die fünfzehn besten Zehnkämpfer Baden-Württembergs eingeladen waren.

Wie immer führten wir im Frühjahr ein Trainingslager durch. Dieses Mal ging die Reise in unsere Partnerstadt nach Alba im Piemont. Nach vielen Briefen und tatkräftiger Mithilfe durch die Stadt stand die Organisation und wir rollten mit zwei Kleinbussen und einem Pkw über die Alpen in Richtung Süden. Bis zu den Alpen begleitete uns ständiger Regen. Nach dem St. Gotthard empfing uns die Sonne des Südens, die uns dann auch die eine Woche über nicht mehr verließ. Es waren hinreißende Tage, angefüllt mit Begegnungen, Einladungen, Gesprächen, viel Training und sportlichen Wettkämpfen mit der Leichtathletik von Alba. Unser Weihnachtsmann hat diese Tage in seinem jährlichen Gedicht wie folgt beschrieben:

 

Tage voller Sonne 
Tage voller Wonne 
Tage voller vino 
Tage wie im Kino 
Lager in den Fluren 
Stunden ohne Uhren

una festa in montagne 
Ausflug in die Langhe 
Training ohne Ende Alba 
wie ich's fände

einfach uferlos!

Die anschließende Wettkampfsaison zog sich bis Ende Semptember hin und war übermäßig lang. Wir besuchten viele Wettkämpfe, veranstalteten manch fröhliches Fest, so auch einen italienischen Abend im Hause Wellmann, so daß man manchmal sogar befürchten mußte, die Zahl der Feste könnte die der Wettkämpfe übertreffen.

Noch etwas gibt es aus dem Jahr 1987 zu berichten. Es betrifft unser ältestens aktives Mitglied, nämlich Dieter Schmidt. Seine Erfolgsbilanz 1987 liest sich wie folgt:

  • 2. Platz im 400-m-Lauf beim 3. Stuttgarter Hallensportfest im Februar
  • 1. Platz beim 400-m-Lauf bei den Senioren-Wettkämpfen im Juni in Stuttgart
  • 3. Platz beim 400-m-Lauf und 4. Platz beim 200-m-Lauf bei den Württembergischen Seniorenbesten-Wettkämpfen im Juni in Ravensburg
  • 2. Platz beim 100-m-Lauf bei den Bezirksoffenen Einzelwettkämpfen im Juli in Maulbronn und schließlich sein bestes Ergebnis:
  • 4. Platz im 400-m-Lauf bei den Deutschen Seniorenmeisterschaften im August 1987 in Essen.

Mit seinen 56,64 sec. über 400 m ist Dieter Schmidt nur wenig langsamer als manche unserer Aktiven. Ich kann nur sagen "bravo Dieter," weiter so und vor allem viel Glück bei den Europameisterschaften in Verona, die für dieses Jahr auf dem Programm stehen.

Auch sonst war die Leichtathletik nicht untätig. Wir bieten seit dem Mai 1987 zusätzlich einen Lauftreff an, der abwechselnd von unserem Nordlicht Reinhold Sönke und mir geleitet wird. Die Teilnahme ist völlig frei und nicht von einer Mitgliedschaft abhängig. Wer Lust hat, möge doch einmal vorbeikommen. Zur Zeit treffen wir uns noch samstags um 15,30 h und ab Beginn der Sommerzeit wieder dienstags um 19 h jeweils hinter dem Stadion am Lauftreffschild.

Erstmals werden wir dieses Jahr einen Volkslauf veranstalten und zwar am Samstag, dem 03. September. Wir haben einen Karton der Broschüren Sport, Spaß und Spiel mitgebracht, jeder der Lust hat, kann eine Broschüre mitnehmen. 

So das wären die Neuigkeiten der Leichtathletik aus dem Jahr 1987.

 
gez. U. Wellmann 


Alba — einfach uferlos!

Es sind zwar schon wieder drei Wochen her, seit wir, die Leichtathleten des TSV, aus Alba zurück sind, aber die Erinnerung an all' die vielen und schönen Erlebnisse wird noch lange in uns lebendig bleiben.  
 
  • 1987_Alba
 
Was eine gestandene Abteilung ist, die kann es sich leisten, eine Vorhut über die Alpen zu schicken, um Freund und Feind - von letzteren fanden wir keine - abzutasten. So war also unser Uwe schon eine Woche früher ins herrliche Piemont gefahren, um die guten Weine zu kosten und die Gastfreundschaft zu genießen. Wir, die Hauptstreitmacht, folgten ihm am Ostermontag, 20.04.1987, mit zwei Kleinbussen und einem PKW nach. Bis zu St.-Gotthard-Tunnel begleitete uns der Regen, aber kaum hatten wir die Alpen unterquert, empfing uns die südliche Sonne, die uns anschließend die ganze Woche über nicht mehr im Stich ließ. Über Mailand, Alessandria und Asti erreichten wir am späten Nachmittag unser Quartier in Alba - Alta Villa -, eine schöne Klosteranlage hoch über der Stadt gelegen.

Jeder bekam zu seiner Überraschung eine Mönchszelle zugeteilt, was aber das Zusammensein nur wenig behinderte. Bald erschienen auch schon die ersten Albaneser Sportkameraden, um uns zu beschnuppern. 

Noch rechtzeitig vor dem Abendessen erschienen Uwe und sein Freund, selig bezecht und froh, uns gefunden zu haben.

Ein erster lockerer Lauf führte uns in die schöne Landschaft und half uns, die lange Fahrt aus den Gliedern zu vertreiben. Alle, die Augen hatten, freuten sich an den blühenden Obst- und Haselnußbäumen.
 

Es folgten vier prall mit Erlebnissen gefüllte Tage. Zweimal pro Tag wurde hart trainiert, mittags und abends fürstlich gespeist und abends gefeiert. Manche Freundschaften wurden geknüpft und auch ein wenig Amore war dabei. Mit der Böblinger Leichtathletik gab es entgegen mancher Unkenrufe keine Berührungsängste, aber wir ließen uns auch nicht von vorständlichen Klammern vereinnahmen. Am Mittwochabend stieg im Hof eines ehemaligen Weingutes das große deutsch-italienische Freundschaftsfest. An langen Tafeln genossen wir die Albaneser Gastfreundschaft, aßen Gegrilltes, tranken Dolcino, Nebbiolo und Barbaresco, schaukelten manche Holzbank durch und tanzten uns die Füße heiß. Unsere originellen Gastgeschenke, kuschelweiche Osterhasen mit selbstbestickten Hosen und dazu liebevoll bemalte Ostereier - jeder malte sein eigenes Ei - taten ein übriges, um das Fest gelingen zu lassen. Und wer da glaubt, in des Klosters Stille sei die Nacht dann zu Ende gewesen, der kennt eben unsere unermüdlichen Krabbeltiere - die IGELS - noch nicht. Lag dann glücklich alles in tiefer Ruh, machten die nachts um drei Uhr noch Wettrennen zwischen Hasen und Igeln auf hallenden Klosterfluren!

Viel gäbe es noch zu erzählen, vom Wettkampf am Freitag: Alba gegen Böblingen und Dagersheim, oder besser mit Böblingen und Dagersheim, vom Empfang auf dem Rathaus, vom Abschiedsessen mit acht Gängen, von Don Alberto, dem Hüter der Moral, von Gabriela, Kais ragazza italiana, von dem Ausflug in die Langhe, vom Einkauf der Schokoladentrüffel und nicht zuletzt von dem schmerzlichen Abschied am 25. April 1987. Alle zwanzig Dagersheimer Leichtathletinnen und Leichtathleten bedanken sich bei den Freunden in Alba, bei den Damen vom Partnerschaftskomitee, allen voran Frau Rosa-Brunet, und nicht zuletzt bei der Stadt Böblingen, die uns finanziell gut unterstützte. Wir rufen allen Freunden in Alba ein "mille graue", ein "ciao" und ein "Auf Wiedersehen bis bald" zu. 

Leichtathletikabteilung im TSV